Monachus

     

Ritter

 

 

Ritterliche Tugenden

 

Der Dienst am Herrn, Dienst am Glauben sind die wesentlichen drei "ritterlichen" Ideale. Die Leitbegriffe dieser Ideale sind Tugenden zu denen es jeweils gegensätzliche Untugenden bzw. Laster gibt:

  • Arbeitsamkeit (MHD arebeit): Fleiß
  • Beständigkeit (MHD stæte): Verlässlichkeit
  • Demut (MHD diemüete)
  • Dienstbereitschaft (MHD dienest)
  • Edler Stand (MHD art)
  • Ehre (MHD êre): Ansehen, Geltung, Würde
  • Guter Mut (MHD hôher muot): seelische Hochstimmung
  • Höflichkeit (MHD höveschkeit)
  • Lebensfreude (MHD vröude, frôude)
  • Mannhaftigkeit (MHD manheit): Kampfesmut, Tapferkeit
  • Maßhaltung (MHD mâze): maßvolles Leben, Zurückhaltung, Mäßigung der Leidenschaften
  • Milde (milte): Freigiebigkeit, Barmherzigkeit, Großzügigkeit
  • Treue (triuwe): Loyalität, Aufrichtigkeit
  • Verstand (MHD sin)
  • Zucht (MHD zuht): Anstand, Wohlerzogenheit

Grundwerte

Beständigkeit

Die Beständigkeit beeinflusst alle anderen Tugenden und bedeutet Berechenbarkeit in den Handlungen und das Festhalten am rechten Verhalten und Glauben, aber auch Vertragstreue

  • Laster (unstæte): Unbeständigkeit, Verhalten welches sich nicht in die höfische Vorstellung vom richtigen Leben einordnen lassen. Verwandt dem "Verrat"

Ehre

Ehre bedeutet gesellschaftliches Ansehen durch körperliche und geistige Eigenschaften und bestimmt das Sozialprestige des Charakters. Ehrgefühl wird durch höfische Erziehung vermittelt. Die Ehre des Einzelnen bestimmt inwieweit die Gesellschaft Verpflichtungen ihm gegenüber hat. Grundlage der Ehre sind persönliche Eigenschaften, z. B. edle Abstammung, Beweise der Kampfkraft und Männlichkeit

  • Laster: Schande, ein Zustand des gesunkenen Ansehens und des beschädigten Rufes. Dieser entbindet die Umgebung gegebene Eide einzuhalten oder anderen Tugenden zu folgen

Beispiele

  • Ritterliches Selbstgefühl: Der Ritter vermeidet es, unehrenhafte Dinge zu tun, mit unehrenhaften Leuten oder solchen zweifelhaften Rufes zusammenzukommen oder Handel zu treiben.
  • Fairness: Der Ritter verzichtet darauf, sich einen in seinen Augen unfairen Vorteil zu verschaffen. Er nutzt eine Notlage nicht aus (z.B. Gegner hat seine Waffe verloren, Ritter wartet, bis er sie wieder aufgesammelt hat) und vermeidet es, andere zu übervorteilen (Händler gibt zu viel Wechselgeld heraus: Ritter läßt es zurückgeben)

Maßhaltung

Zentrale ritterliche Tugend, steht über allen Tugenden. Sie bedeutet rechtes Maß zu halten, und den Mittelweg zwischen Exzess, Übertreibung und Passivität zu finden. Nur durch Maßhaltung wird richtiges und gutes Handeln erreicht.

  • Laster (unmâze): Maßlosigkeit, mangelnde Selbstbeherrschung

Zucht

Bestandteil der guten Erziehung, bedeutet Selbstbeherrschung und Moderation im eigenen Verhalten und ermöglicht das Zusammenleben am Hof

  • Laster (unzucht): Unzucht,  unerzogenes Verhalten und Kennzeichen unhöfischer Herkunft.  Ungezogene  Gestik oder  Sprache bringt  Ausschluss aus der  höfischen Gesellschaft

Beispiel

  • Reinheit: Der Ritter ist überwiegend keusch und betreibt zur Selbstveredelung eine 'Verehrung aus der Ferne' für eine Edelfrau, die i.A. durch Heirat mit einem anderen Adligen (gern auch höher stehend) bereits vollständig unerreichbar für ihn ist.

Interaktive Tugenden

Dienstbereitschaft

Dienstbereitschaft gegenüber dem Herren oder der Kirche, aber auch gegenüber Frauen, sowie Schutz der Armen oder Machtlosen

  • Laster (verrât): Verrat, Verweigerung des Dienstes

Beispiel

  • Schutz: Ritter wenden sich tätig gegen Unrecht, das von Gegnern ihres 'Standes' ausgeübt wird (der 'Böse Ritter' beispielsweise). Nicht des gleichen Standes dagegen wäre ein Streit zwischen Fischhändlern.

Höflichkeit

Definiert das Verhalten bei Hof und außerhalb, bedeutet feine Manieren und gesitteter Umgang, besonders mit Frauen

  • Laster (dörperheit): Rüpelhaftigkeit, unkontrolliertes Benehmen, Fresssucht, Ausschweifungen aller Art

Beispiel

  • Der Ritter ist in seinem Benehmen eher zurückhaltend und in keiner Weise auftrumpfend. Besondere Ehrerbietung genießen Geistliche und Frauen im Allgemeinen.

Milde

Großzügigkeit und Barmherzigkeit, aber auch das Verteilen von Besitz um dadurch Gefolgschaft sichern

  • Laster (erge): Geiz, lässt den Charakter allein dastehen, d.h. er bekommt selbst keine Unterstützung

Beispiel

  • Barmherzigkeit: Ein Ritter gibt freigiebig an in Not geratene. Er läßt Münzen an die Bettler an der Kirchentreppe austeilen, schenkt der armen Witwe ein Brot, läßt dem Veteranen eine Krücke schnitzen. Die vielleicht schwierigste Gratwanderung hier liegt darin, daß der Ritter sich a) nicht mit dem Armen gemein macht, sondern edle Distanz wahrt und zugleich b) nicht herablassend oder herrisch auftritt. Freundlicher Gleichmut, die in der Ausübung der Caritas die Umsetzung sowohl göttlichen Gebotes als auch des eigenen Selbstverständnisses verwirklicht, ist der Grundton seiner barmherzigen Handlungen.

Treue

Eine zentrale Tugend für Ritter, beschreibt Loyalität und auch das Einhalten gegenseitiger Eide und Hilfsverpflichtungen gegenseitiger Art oder gegenüber der übergeordneten Instanz (Herrscher, Gott)

  • Laster (untriuwe, zwîvel): Untreue, gefährdet das menschliche Zusammenleben

Personenbezogene Tugenden

Arbeitsamkeit

Übung und Aufbesserung der Kasse durch ständige Bewährungen durch Reisen und Kämpfe

  • Laster (trâcheit): Trägheit, Faulheit, aber auch vernachlässigen der Herrschaftspflichten zugunsten des Liebeslebens

Edler Stand

Geburt als Verpflichtung zu höfischem Verhalten

  • Laster (unart): Unedler Stand, unedle Herkunft, Assoziation mit schlechten Charakter und Hässlichkeit

Guter Mut

Beschreibt das Selbstbewusstsein insbesondere des adligen Menschen, den Stolz auf seine persönliche Tüchtigkeit. Er entwickelt sich aus dem Kriegerethos. Das Zeigen des guten Mutes auf Festen, aber auch in Schlachten usw. überträgt sich auf die Anderen

  • Laster (trûren): Trauer (Depression?), ein Zustand des Klagens, sowie das Zeigen schlechter Befindlichkeiten, aber auch Zustand der verletzten Ehre

Beispiel

  • Glaube: Ein Ritter ist kein Nihilist oder Agnostiker: er glaubt an einen Gott/eine Göttin oder zumindest an seinen moralischen Kodex und versucht diesen zu leben.

Mannhaftigkeit

Beschreibt kriegerische Tüchtigkeit und Kühnheit, sowie Mut im Kampf unter Einsatz des eigenen Lebens

  • Laster (zageheit): Zaghaftigkeit, Feigheit im Kampf, aber auch Angst vor materiellen Verlust sowie Angst vor Verletzung.

Verstand

Wird von einem Herrscher erwartet. Bezieht sich auch auf kontrollierte Emotionen

  • Laster (tôrheit, tumpheit, närrescheit): Torheit, Dummheit, Feind aller anderen Tugenden. Bedeutet Verlust der Selbstkontrolle, aber auch mangelnde Reife

Andere Tugenden

Demut

Bescheidenheit, Gnade, Barmherzigkeit gegenüber anderen Menschen

Armut

Vermögen wird dem Orden übergeben, persönlicher Besitz gibt es nicht

Keuschheit

Keinerlei Unzucht oder gar Notzucht

Gehorsam

gegenüber Gott, dem Orden und dem Papst

Lebensfreude

Heitere Lebensgrundhaltung

 

 

 

Der demütige Novize .....

..............

 

hat in tiefer Demut und Gottesfürchtigkeit, Mut und Tapferkeit unter Beweis gestellt.

 

Daher wird er mit dem heutigen Tage des Herrn am 04.04.2010 für seine Loyalität gegenüber Gott und dem apostolischem Stuhl in den ehrenwerten Stand des Ordensritters des Lazarus Ordens erhoben.

 

Er gelobte Gott, Volk und dem apostolischem Stuhl die ewige Treue.

Möge er sich alle Zeit seinem Stand als Ritter, als würdig erweisen.

 

Domine, exaudi orationem meam.

Et clamor meus ad te veniat.

Dominus vobiscum.

Et cum spiritu tuo.

 

Ritterschlagsformel

"Euer Mund soll stets die Wahrheit sprechen und Gerechtigkeit verkünden, euer Herz stets Barmherzigkeit spüren und Vergebung schenken. Euer Schild soll die Schwachen schirmen und behüten, damit sie kein Unrecht ereile. Euer Schwert soll das Böse niederkämpfen und den Frieden bewahren auch wenn dies euren Tod bedeutet. Seid dabei tapfer und aufrecht im Angesicht eurer Feinde, denn dies ist euer Schwur..."

 

Rittereid

Ich gelobe, alle Lehren der Kirche zu glauben und ihre Gebote zu halten.

Ich gelobe, die Kirche zu schützen.

Ich gelobe, die Schwachen zu verteidigen.

Ich gelobe, das Land meiner Geburt zu lieben.

Ich gelobe, nie vor einem Feind zu fliehen.

Ich gelobe, bis zum Tod gegen die Ungläubigen zu kämpfen.

Ich gelobe, meine Pflichten dem Lehnsherrn gegenüber zu erfüllen, sofern sie nicht gegen Gottes Gebote sind.

Ich gelobe, niemals zu lügen und zu meinem gegebenen Wort zu stehen.

Ich gelobe, allen gegenüber freimütig und großzügig zu sein.

Ich gelobe, immer für das Recht und gegen Ungerechtigkeit und Böses zu kämpfen.

 

Ritterbegriff und Ritterstand

Die ältere Forschung hatte in der Entstehung des Ritterstands die wichtigste Voraussetzung für die Entfaltung der Laienkultur und das Aufblühen der höfischen Dichtung gesehen. Dass diese Ansicht falsch war, kann als Ergebnis der Forschungsdiskussion der letzten Jahrzehnte über Grundlagen und Merkmale des Rittertums im hohen Mittelalter festgehalten werden. Wie die Realität des Rittertums zu erfassen und zu interpretieren ist, darüber ist jedoch noch keine Übereinstimmung erzielt worden.

Ritter - miles - chevalier

Unstrittig ist, dass der Zugang zum Verständnis des Rittertums über die Terminologie gesucht werden muss. Für die Historiker, die hauptsächlich mit lateinischen Quellen arbeiten, steht dabei das lateinische Wort miles im Vordergrund, das im 12. Jahrhundert den »Ritter« bezeichnete {militem facere = zum Ritter machen), miles war ein altes römisches Wort, dessen Bedeu-tungsgeschichte bis zum hohen Mittelalter erst teilweise aufgehellt ist. Im klassischen Latein hieß miles »Soldat, Krieger«, wobei der Akzent darauf lag, daß der miles ein Fußsoldat war im Gegensatz zum Reiter und ein einfacher Soldat im Gegensatz zum Anführer. Außerdem lag in miles immer auch der Gedanke des Dienstes; militare hieß »Kriegsdienst tun« oder allgemein »dienen«. Diese Bedeutungskomponenten blieben das ganze Mittelalter hindurch lebendig. Im 10. und 11. Jahrhundert erhielt das Wort miles zwei neue Bedeutungsakzente, die für den Wortgebrauch der höfischen Zeit wichtig geworden sind. Einerseits konnte miles jetzt auch den adligen Vasallen, den Lehnsmann, bezeichnen. Man kann vermuten, dass die Verpflichtung der Vasallen zu militärischem Dienst den neuen Wortgebrauch begünstigt hat. Andererseits wurde es üblich, nicht mehr alle Krieger als milites zu bezeichnen, sondern nur noch diejenigen, die als schwergewappnete Reiter kämpften. Die Unterscheidung von milites undpedites lief der alten römischen Bedeutung von miles direkt zuwider, ohne diese gänzlich zu verdrängen. Vielleicht lässt sich die Bedeutungsveränderung daraus erklären, dass die Ausbildung einer schweren Reiterei in der Karolingerzeit aufs engste mit der Entwicklung des Lehnswesens und der Vasallität verbunden war. Die weitere Geschichte des Wortes miles lässt sich nicht mehr mit derselben Eindeutigkeit beschreiben, weil von nun an die verschiedenen Bedeutungen nebeneinander herliefen und vor allem weil bedeutende regionale Unterschiede den Wortgebrauch bestimmt haben. Für die Ausbildung des höfischen Ritterbegriffs war es von großer Bedeutung, dass das Wort miles im 12. Jahrhundert vereinzelt auf Mitglieder des hohen und höchsten Adels angewandt wurde. Daneben gewann miles eine besondere Bedeutung in bezug auf die Ministerialität. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts konnten die Wörter miles und ministerialis geradezu als Synonyme verwendet werden. Ob sich darin bereits der Aufstieg der Ministerialen zu einer adelsgleichen Position spiegelte oder ob das Wort miles eher die Dienstbindung der Ministerialen zum Ausdruck brachte, ist nicht leicht zu entscheiden. Wo es um den Rechtsstatus ging, blieben die Begriffe Adel und Ministerialität getrennt. In den Zeugenlisten der Urkunden wurde noch lange zwischen nobiles und ministeriales unterschieden. Erst im Verlauf des 13. Jahrhunderts - in manchen Gegenden etwas früher, in anderen später
- wurde es üblich, die Ministerialen generell als milites zu bezeichnen.
      Bei der Entfaltung seines hochmittelalterlichen Bedeutungsradius stand das Wort miles in einer noch nicht genügend erforschten Wechselwirkung mit dem französischen Wort chevalier und dem deutschen Wort ritter, die beide, ebenso "wie miles, aus einer niedrigen sozialen Sphäre stammten und denselben charakteristischen Aufstieg erlebt haben. Der Vergleich des Wortgebrauchs wird dadurch erschwert, dass sowohl chevalier als auch ritter fast ausschließlich in poetischen Texten bezeugt sind und dass die außerdichterische Verwendung der volkssprachlichen Wörter kaum zu erfassen ist.
      Chevalier ist aus spätlateinisch caballarius entstanden, da bereits in der Karolingerzeit nicht mehr den »Pferdeknecht« bezeichnete, sondern den »Mann zu Pferde«. Caballarii waren häufig Unfreie, die berittene Botendienste verrichteten. Die Beziehung zum Pferd, die das Wort miles erst sekundär entwickelt hat, war in chevalier von Anfang an gegeben. Das französische Wort begegnet zuerst nach 1100 in den älteren »Chansons de geste« . Die gründlichen Untersuchungen von Jean Flori über den Wortgebrauch im 12. Jahrhundert haben zu dem Ergebnis geführt, dass zunächst die militärische Bedeutung bestimmend war und dass daneben fast immer ein Element der Dienstbarkeit den chevalier gekennzeichnet hat. Als chevalicrs erscheinen in den französischen Epen sowohl große adlige Herren als auch einfache Soldaten: eine juristische oder soziale Gleichstellung aller Chevaliers ist nicht zu erkennen. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts trat dann die moralische und religiöse Komponente des Worts allmählich deutlicher hervor. Aber erst um 1160 bis 1180, in den Versromanen von Chretien de Troyes, wurde das Wort chevalier zum Zentralbegriff des neuen höfischen Gesellschaftsideals.
      Das deutsche Wort »Ritter« ist seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts bezeugt. Da althochdeutsche Belege fehlen, kann man vermuten, dass das Wort eine Neubildung war, die wahrscheinlich von Anfang an unter dem Einfluß von miles und vielleicht auch schon von chevalier gestanden hat. Auf diese Weise dürften sich die auffälligen Ãœbereinstimmungen im Anwendungsbereich und in der Bedeutungsdifferenzierung erklären. Wie bei miles liegt der Hauptakzent einerseits auf der kriegerischen Betätigung und andererseits auf dem Dienstgedanken.


     

Wie bei chevalier ist die Verbindung zum Pferd bereits im Wort angelegt. In den Texten des 12. Jahrhunderts bezeichnete ritter meistens den einfachen Krieger oder den Dienstmann. Aber das Wort hatte auch sehr früh bereits einen auszeichnenden Sinn. Das wird am deutlichsten in der >Millstätter Genesis< , wo Potiphar, der ägyptische Feldherr und Oberbefehlshaber2, an den Joseph in Ägypten verkauft wurde, als »Ritter« bezeichnet wird: »Sie verkauften ihn sogleich einem Ritter Potiphar.« In der älteren Wiener Fassung hieß es an dieser Stelle: »einem Herrn mit Namen Potiphar«4. Unter der dazugehörenden Miniatur in der Millstätter Handschrift steht: »einem Fürsten Potiphar«5. Die Wörter ritter, herre und fürste scheinen hier bereits austauschbar zu sein. Aber es hat noch mehr als ein halbes Jahrhundert gedauert, bis der adlige Ritterbegriff sich durchgesetzt hat. Eine Loslösung von der militärischen Bedeutung ist zuerst für das Adjektiv ritterlich zu beobachten, das schon um 1170 in der Bedeutung »stattlich, schön, prächtig« begegnet, wenn es zum Beispiel von der Kleidung der Hofdamen hieß: »Sie trugen ritterliche Gewänder« oder wenn von den jungen Damen am Hof der Königin Candacis gesagt wurde, sie waren »gut gewachsen und schlank und ganz ritterlich, schön unter den Augen«7. Diese Belege stammen aus Texten, die nicht nach französischen Vorlagen gedichtet sind. Das könnte darauf deuten, dass das Wort ritter nicht erst durch den Einfluss von chevalier zu einem Adelsprädikat geworden ist. Aber erst in der Rezeption der Epen von Chretien de Troyes hat der höfische Ritterbegriff sich voll entfaltet. Seit dem >Erec< von Hartmann von Aue war jeder Fürst und jeder König, von dem die höfische Dichtung erzählte, »der allerwürdigste Mann, der je Ritternamen gewann«8.


     
Adliges Rittertum

Aus dem alten römischen Soldaten- und Dienstwort miles ist im Mittelalter ein Adelsprädikat geworden. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war sicherlich die militärische Bedeutung des Wortes. Seitdem miles den schwergepanzerten Reiterkrieger bezeichnete , konnten alle, die so in den Kampf zogen, milites heißen, vom König bis zum bezahlten Söldner. Während aber in bezug auf die einfachen Soldaten meistens die waffentechnische Unterscheidung zwischen Reiterei und Fußtruppen betont wurde, erhielt das Wort miles, wo es auf adlige Krieger angewandt wurde, fast immer einen moralischen und ideologischen Akzent. Das kam am deutlichsten in den schmückenden Adjektiven zum Ausdruck, die den adligen Herrn als »guten Krieger«, als »tapferen Krieger«, als »vornehmen Krieger« feierten. So konnte das Wort miles in Verbindung mit den Adjektiven probus, illustris, praeclarus, egregius usw. bereits in lateinischen Quellen des 11. Jahrhunderts auf Mitglieder des Hochadels Anwendung finden, ebenso wie in den volkssprachigen Texten des 12. Jahrhunderts der adlige chevalier mit den Prädikaten franc, gentil, noble, vaillant usw., der adlige ritter mit edele, guot, wert, gemeit usw. geschmückt worden ist. In ganz ähnlicher Weise konnte das mittelhochdeutsche Wort »Knecht« , das in seiner eigentlichen Bedeutung einer sehr niedrigen Sozialsphäre angehörte, in der Verbindung guoter kneht als auszeichnendes Kriegerwort auch für große Herren verwendet werden: »Karl der Große ist selber ein guter Knecht.«
Dieser Wortgebrauch lässt erkennen, dass das adlige Rittertum primär nicht ein sozialgeschichtliches, sondern ein ideologisches Phänomen gewesen ist. Erst als man begann, den Gebrauch der weltlichen Waffen moralisch zu rechtfertigen, wurde aus dem adligen »Krieger« ein »Ritter«. Die Anfänge lassen sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen, nach Cluny, wo das Programm aufgestellt wurde, dass der adlige Krieger seine Waffen im Dienst der Kirche und der christlichen Religion führen sollte. Im 11. Jahrhundert erfuhr dieses Programm in der Gottesfriedensbewegung eine historische Konkretisierung. Im 12. Jahrhundert rückte die Kreuzzugsidee in den Mittelpunkt. Als »Soldaten Gottes« {milites DeI) und »Diener Chri-sti« zogen alle, die das Kreuz genommen hatten, in den Krieg. In diesem religiösen Sinn konnte der Dienstgedanke, der immer mit dem wzj/es-Begriff verbunden war, auch für die adligen Herren eine auszeichnende Bedeutung erlangen.
Von dem religiösen Ritterbegriff her ist wahrscheinlich auch die Ritterterminologie der adligen Schwertleite zu erklären. Wenn ein großer Herr im 12. Jahrhundert »Ritter« genannt wurde, ohne schmückendes Adjektiv und ohne Bezugnahme auf den Kreuzzugsgedanken, so bezog sich das Wort darauf, dass er feierlich das Schwert geleitet hatte. Zum Zeremoniell der Schwertumgürtung gehörte ein Schwertsegen, der den »neuen Ritter« darauf verpflichtete, seine Waffen nur zu guten und frommen Zwecken zu führen. Der Ausdruck »zum Ritter machen« wurde unabhängig vom sozialen Rang des Kandidaten gebraucht. Der Rittertitel, den man mit der Schwertleite erwarb, war für die Söhne aus hochadligen Geschlechtern keine Rangbezeichnung, sondern ein Ehrenname.
      Die Ausbildung des Ritterstandes
Nach dem Sprachgebrauch der Quellen war ein miles-ritter im 12. Jahrhundert entweder ein Soldat, vorzüglich ein Reiterkrieger oder ein Ministeriale oder ein adliger Herr, der das Schwert geleitet hatte.


Die ältere Forschung wollte die verschiedenen Erscheinungsformen des Rittertums aus einer ständischen Gemeinsamkeit erklären. Man sprach von einem »einheitlichen Ritterstand«, der alle umfaßt habe, die ritterlich kämpften, vom König bis zum letzten Ministerialen. Dieser Ritterstand sei zunächst ein Berufsstand gewesen, der sich später zu einem Geburtsstand gewandelt habe. Diese Vorstellung, die noch in manchen neueren Beiträgen zur Ritterforschung nachwirkt, konnte sich darauf berufen, dass schon im Mittelalter die Menschen nach ihren Berufen eingeteilt wurden und dass man dabei alle, die mit Waffen umgingen, zu einem Stand der »Krieger« zusammengefasst hat. Außerdem konnte man darauf verweisen, dass es im Mittelalter auch schon die Begriffe ordo militaris und ordo equestris gegeben hat, die im Sinn von »Ritterstand« aufgefasst werden konnten. Es ist jedoch zu bedenken, dass allen berufsständischen Einteilungen im Mittelalter ein stark theoretisches Element innewohnte. In Wirklichkeit war die mittelalterliche Gesellschaft nicht nach Berufsgruppen organisiert, solange sich eine geburtsständische Ordnung noch nicht durchgesetzt hatte; sondern von Anfang an war die Gesellschaftsstruktur hierarchisch. Der »Kriegerstand« der berufsständischen Einteilungen muss primär aus geistlichem Wortgebrauch verstanden werden: er diente hauptsächlich dazu, im Gegensatz zum »Klerikerstand« weltliches und kirchliches Leben zu unterscheiden. Eine konkrete Bedeutung erhielt der Begriff ordo militaris oder ordo militum erst im 12. Jahrhundert, als er einerseits zur Bezeichnung der neuen religiösen Ritterorden benutzt wurde und andererseits gleichbedeutend wurde mit ordo ministerialis und zur Umschreibung der Ministerialität diente.
     

Die Ausbildung des Ritterstands vollzog sich nicht im Licht eines abstrakten Standesbegriffs, sondern vor dem Hintergrund bedeutender gesellschaftlicher Veränderungen, die in Frankreich anders verliefen als in Deutschland. In einigen Teilen Frankreichs setzte bereits im 11. Jahrhundert eine Umschichtung ein, in deren Verlauf eine Schicht, deren Mitglieder in den Quellen als »Ritter« bezeichnet wurden, sich als niederer Adel verfestigte und sich nach oben gegen die mächtigen »Chätelains« und nach unten gegen die bäuerliche Landbevölkerung abgrenzte. Eine entsprechende Gruppierung läßt sich in Deutschland nicht nachweisen. In den deutschen Urkunden blieb im Bereich der unteren Adelsränge die Unterscheidung zwischen »Edelfreien« und »Ministerialen« selbst dann noch bestehen, als die Ministerialen -jedenfalls die mächtigeren unter ihnen - schon längst eine adlige Lebensweise angenommen hatten. Erst im Verlauf des 13. Jahrhunderts - auch hier gab es bedeutende lokale Unterschiede, die nur zum kleinen Teil erforscht sind - verschwand der Begriff ministerialis aus den Urkunden, und die Kanzleien gingen nach und nach zu einer ra/es-Terminologie über, die offenbar nicht mehr auf die unfreie Herkunft des Betroffenen abhob, sondern auf seinen adligen Rang.
     

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden urkundliche Zeugnisse allmählich häufiger, in denen miles und militaris eine Qualität der Geburt bezeichneten: »von ritterlicher Abkunft« , »aus ritterlichem Geschlecht« , »aus ritterlichem

Stamm«. In dieser Terminologie dokumentierte sich, dass die Umwandlung der Ministerialität zum niederen Adel des späten Mittelalters und ihre Verschmelzung mit den Resten des alten freiherrlichen Adels begonnen hatte. Auf diese Weise ist der Ritterbegriff schließlich auch in Deutschland am unteren Rand des Adels zu einem Standesbegriff geworden. Die Ritter-bürtigen waren nach unten abgegrenzt gegenüber denen, die die Qualität der vornehmen Geburt nicht besaßen, nach oben gegen die hochadligen Familien, die sich jetzt »Herren« nannten. Wenn seit dem Ende des 13. Jahrhunderts in verschiedenen Territorien eine landständische Verfassung sichtbar wird, findet man unterhalb des »Herrenstands« einen »Ritterstand«, der hauptsächlich aus den Nachkommen der alten Ministerialenfamilien bestand. Allerdings ist die Entwicklung nicht einheitlich verlaufen. In Osterreich zum Beispiel, wo die Landesministerialen bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine bedeutende Machtposition erreicht hatten, waren die »Ritter und Knappen«11, die im Landfrieden von 1281 zum ersten Mal als eigene Gruppe bezeugt sind, nicht mit den Landesministerialen identisch, sondern waren, unterhalb der »Landherren« - wie die großen Ministerialen in Österreich genannt wurden”, aus der Ministerialität kleinerer adliger Familien zusammengewachsen. Ungeachtet dieser landschaftlichen Unterschiede kann man jedoch sagen, dass der Ritterbegriff im 14. Jahrhundert zur Standesbezeichnung des niederen Adels geworden ist.

 

Ritterorden

Die ersten geistlichen Ritterorden sind während der Kreuzzüge entstandene Ordensgemeinschaften, die ursprünglich zum Schutz, Geleit, Pflege der Pilger ins Heilige Land und Verteidigung der heiligen Stätten gegen den Islam gegründet wurden. Voraussetzungen für die Ordensmitglieder waren ursprünglich Armut, Keuschheit, Gehorsam und Waffendienst. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden höfische Ritterorden, mittels derer sich die Monarchen eine zuverlässige Hausmacht verschaffen wollten.

Als politisches Gegengewicht zu den mächtiger werdenden Landesfürsten bildeten sich ab dem Spätmittelalter, vor allem in Südwestdeutschland, diverse Rittergesellschaften und Ritterbünde.

Geistliche Ritterorden

  • Templerorden (Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem), gegründet 1118 oder 1119 von neun französischen Rittern, an ihrer Spitze Hugo von Payns und Gottfried von Saint-Omer. Aufgelöst 1312;
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  • Orden St. Salvator, etwa um 1118 gestiftet als aragonischer Ritterorden. Zeichen war ein rotes Ankerkreuz.
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  • Mercedarierorden (Orden unserer Lieben Frau vom Loskauf der christlichen Gefangenen), 1218 vom Hl. Petrus Nolascus, dem König von Aragon und St. Raimund von Peñafort als königlicher, militärischer und religiöser Orden gegründet. Im Jahre 1318 wurde dieser Ritterorden zu einem rein religiösen Männerorden umstrukturiert. Die Priester und Nonnen waren und sind sehr in der Mission aktiv. Als Laiengemeinschaft wurde ein ritterlicher Zweig im Jahre 2002 von der Ordensleitung anerkannt;
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  • Christusorden, 1319 gegründeter, portugiesischer Ritterorden, der in Portugal die Nachfolge des Templerordens antrat;
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  • Orden von Montjoie spanischer Ritterorden, benannt nach einem Berg vor den Toren Jerusalems, der nach den Zisterzienserregeln lebte, bei dem der karitative Zweck im Vordergrund stand und der bald im Templerorden aufging;
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  • Hospitaliter- oder Johanniterorden (Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem), später auf Rhodos dann auch Rhodesier und auf Malta dann auch Malteser genannt. Gegründet 1099 in Jerusalem als Laienbruderschaft zur Armen- und Krankenpflege in einem bereits zuvor bestehenden Hospiz/Hospital, offizielle Umwandlung in einen geistlichen Orden 1113 durch die Anerkennung als neuer autonomer Orden durch Papst Paschalis II., zwischen 1120 und 1153 schrittweise Umwandlung in einen geistlichen Ritterorden nach dem Vorbild der Templer. Der neue Status als geistlicher Ritterorden wird 1153 durch Papst Eugen III. bestätigt. Heute nennt sich der katholische Zweig Malteserorden, der protestantische Zweig Johanniterorden;
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  • Deutscher Orden (Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem), gegründet 1190 als Krankenpflegeorden, ab 1198 in einen Ritterorden umgewandelt.
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  • Lazarus-Orden (Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem) gegründet im 11. Jahrhundert um die Kranken, Bedürftigen, Sterbenden, Leprakranken und Reisenden aufzunehmen und zu pflegen.
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  • Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem gegründet 14. Jahrhundert, päpstliche Rekonstitution im Jahre 1847.
  • Patriarchalischer Orden vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem
  • St. Georgsritter zu Millstatt (Militärischer Orden zum Schutz vor der Türkengefahr) gegründet 1469 durch Kaiser Friedrich III.

In Spanien und Portugal entstanden im Rahmen der Reconquista weitere Ritterorden, zu denen ebenfalls Ritter aus ganz Europa stießen, um an dem vom Papst zum Kreuzzug erklärten Kampf gegen die Mauren auf der iberischen Halbinsel teilzunehmen:

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  • Orden von Calatrava, spanischer Ritterorden, der 1158 im Kampf gegen die Mauren gegründet wurde und sein Hauptquartier lange Zeit in Calatrava in der südlichen Mancha unterhielt;
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  • Ritterorden von Avis, portugiesische Abspaltung des Calatravaordens;
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  • Alcántaraorden, der erste der spanischen Ritterorden, der 1156 im Kampf gegen die Mauren gegründet wurde und sein Hauptquartier lange Zeit in Alcántara in Extremadura unterhielt;
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  • Santiagoorden, spanischer Ritterorden, der seit 1170 dem Heiligen Jakobus gewidmet ist.
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  • Orden von Montesa, spanischer Ritterorden, 1316 im Kampf gegen die Mauren gegründet, auf den bei Auflösung der Templer ein Teil ihres Vermögens auf dem spanischen Festland überging;
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  • Orden von San Jorge de Alfama, spanischer Ritterorden, 1201 im Kampf gegen die Mauren gegründet, 1400 mit dem Orden von Montesa vereinigt;
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  • Orden von San Miguel, portugiesischer Ritterorden, im Kampf gegen die Mauren gegründet.
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  • Orden von San Salvador de Monreal, spanischer Ritterorden
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  • Orden von Dobrin, Lat. fratribus militiae Christi in Prussia, polnischer Ritterorden, 1228 vom polnischen Herzog Konrad von Masowien gegründet,wurde 1234 in den Deutschen Orden eingegliedert.
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  • Schwertbrüderorden (Die Brüder der Ritterschaft Christi zu Livland) (lateinisch: Fratres miliciae Christi de Livonia) war ein von Kreuzrittern aus dem Gebiet zwischen Soest und Kassel 1204 oder 1205 gegründeter Ritterorden, der den Schutz Livlands übernahm. Er wurde 1237 in den Deutschen Orden eingegliedert.

Bernhard von Clairvaux bezeichnete die Ordensritter als "Ritter neuen Typs", da sie die Kampfkraft des dekadenten Ritterstandes mit der Disziplin und der Enthaltsamkeit der Mönchsorden verbanden. Während die einzelnen Mitglieder der Armut verpflichtet blieben, wurden die Orden durch Erbschaften, Schenkungen und Eroberung mit zu den reichsten Organisationen ihrer Zeit.

In der Gegenwart existieren eine Vielzahl von katholischen, evangelischen (Bruderschaften) und ökumenischen Ritterorden.

Höfische Ritterorden

Ab der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden höfische Ritterorden, die König Artus' legendärer Tafelrunde nachempfunden waren. Die bedeutendsten unter ihnen waren:

Der älteste Orden des preußischen Hauses war der Schwanenorden, der 1440 gestiftet wurde, um der Entsittlichung des märkischen Adels entgegenzuwirken und die Rauf- und Fehdelust einzudämmen.

Rittergesellschaften

Im späten Mittelalter entstanden, vor allem in Südwestdeutschland, diverse (reichsritterlicher) Rittergesellschaften, Ritterbruderschaften und Ritterbünde. Als politische Interessenverbünde versuchten sie - letztlich vergeblich - ein Gegengewicht zur aufstrebenden Macht der Städte und Landesfürsten zu bilden.

Moderne Ritterbünde

Mit der Romantik kam es zur Wiederbelebung des mittelalterlichen Ritterideals. 1790 gründete der österreichische Hofrat Anton David Steiger als "Hainz am Stein der Wilde" die "Wildensteiner Ritterschaft zur Blauen Erde". Die Altritterliche Gesellschaft wurde 1823 auf Betreiben von Fürst Metternich aufgelöst. Vermutlich trafen sich die Mitglieder fortan im Geheimen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden vermehrt Ritterbünde in Bayern und Österreich; 1884 sollen 32 derartige Vereinigungen existiert haben.

Nach der Auflösung der meisten Ritterorden in der Zeit des Nationalsozialismus kam es in den 1950er Jahren zu einer Wiederbelebung einiger Bünde sowie zu Neugründungen, vor allem in Deutschland (derzeit 20 Bünde) und Österreich (etwa 21 Bünde).

 

 

Die mittelalterlichen Hospitäler sind, was ihre medizinische Funktion betrifft, Anstalten, in denen bei den Kranken der Heilprozeß der Natur erstens durch die nötige Ruhe z.B. durch ausgewogenen Schlaf, zweitens durch intensive Pflege z.B. durch häufiges Waschen und Baden, und drittens durch angemessene, gute Ernährung gefördert wird. Die Gegenwart von Ärzten und medizinisch geschultem Personal wie in unseren Krankenhäusern war nicht notwendig, da die Gesundung Gott allein oblag.

 

 

Abb. 55: In diesem dreischiffigen, mittels Säulen unterteilten Krankensaal, an dessen Ostseite (hinten in der Mitte) sich der Altar und eine gekreuzigte Jesus-statue befinden, werden kranke Frauen und Männer von mehreren Schwestern, die an ihren schwarzen Schleiern zu erkennen sind, versorgt. Dabei werden die Kranken streng nach ihrem Geschlecht getrennt. Rechts befinden sich die Männer und links die Frauen. Wie für das gesamte Mittelalter üblich schlafen die Patienten nackt und zu zweit in einem Bett. Nur eine Patientin (links) ist bekleidet, da sie von einem Priester, der nicht in Versuchung gebracht werden darf, das Abendmahl erhält, das für jeden Neuankömmling obligatorisch war. Ein Diener, der sich zur linken Seite des Priesters befindet, hält während dieser Zeremonie eine große Kerze in seinen Händen. Die Patientin neben der neuen Kranken erhält derweil von einer Schwester etwas zu trinken. Die kranken Männer (rechts) werden mit Speisen versorgt. Der ehemalige Bettpartner von dem Patienten ganz rechts und eine Frau, die ursprünglich die Bettstätte der neuen Patientin belegt hatte, sind vor kurzem gestorben. Ihre Leichen werden von zwei Schwestern (links unten) in Tüchern eingenäht. In der vorderen Mitte bitten ein König und zwei Frauen mit ihren Kindern vor und hinter den Säulen die auf ihnen oben plazierten Heiligen um Wiedergenesung

Ihre Entstehung verdankten die Spitäler der moralischen Verpflichtung der Christen, tätige Nächstenliebe zu üben. In der Benediktinerregel galt das Gebot: "Die Sorge um die Schwachen muß vor allem und über alles getätigt werden, damit auf diese Weise in Wahrheit Christus und damit ihnen (den Schwachen) gedient werde." (in: Werner Leibbrand, Heilkunde – Eine Problemgeschichte der Medizin, Freiburg, München 1954, S. 131)

Damit war die Fürsorge und Pflege für Alte, Arme, Kranke und Schwache christlich begründet worden.

In der Antike gab es weder in Sparta, Athen, Alexandria noch in Rom Krankenhäuser mittelalterlicher Prägung. Nur in Delphi, Delos und Korinth waren seit etwa 500 v. Chr. an den Kultstätten des Gottes Asklepios, Pilgerherbergen mit heilkundigen Priestern zu finden. Und die Römer hatten an den Grenzen des Römischen Reiches Valetudinarien errichten lassen, in denen kranke Sklaven und römische Legionäre behandelt werden konnten.

Seit dem 4. Jh. verbreiteten sich im Abendland die Xenodochien, die Bedürfnisanstalten für Arme, Fremde und Pilger darstellten. Die ersten abendländischen Xenodochien wurden in Ostia (395) und in Rom (399) errichtet. Im Frühmittelalter gab es sie schließlich in Gallien und im Merowingerreich fast an jedem Bischofssitz. Auf dem Lande sorgten die Mönche für die Schwachen, Kranken und Pilger, indem sie in ihren Klöstern für diese Menschengruppen Gästehäuser, Pilgerhäuser und Aderlaßhäuser bauen ließen.

Eine Weiterentwicklung im Hospitalwesen fand während der Kreuzzüge (1096 - 1270) statt. In dieser Zeit entstanden die bekannten ritterlichen Ordensgemeinschaften: die Johanniter, die Templer und der Deutsche Ritterorden.

Die Johanniter und der Deutsche Ritterorden waren anfänglich besonders in der Krankenpflege aktiv.

Der Orden der Johanniter, die sich seit dem 16. Jh. "Malteser" nannten, wurde 1099 von einem französischen Ritter mit dem Namen Gérard in Jerusalem gegründet. Seine Mitglieder, die an ihren schwarzen Mänteln mit dem weißen, achtspitzigen Kreuz zu erkennen waren, legten nach dem Vorbild der Benediktiner ein strenges Gelübde auf Armut, Gehorsam und Keuschheit ab.

Ihre Aufgaben sahen die Johanniter in der Pflege von Kranken und Verwundeten und in der Hilfe von Armen. Später übernahmen sie wie die Templer die militärische Funktion, die Pilger, die auf dem Weg vom Meer nach Jerusalem waren, zu beschützen. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen mittelalterlichen Hospitälern waren in dem größten Hospital der Johanniter zu Jerusalem gegen Ende des 12. Jhs. vier gelehrte Ärzte zur Betreuung der Kranken und Armen vorgeschrieben, die unter anderem Urinproben durchführen und Heilmittel verabreichen mußten.

Der Deutsche Ritterorden wurde während des dritten Kreuzzuges im Jahre 1191 von Kaufleuten aus Bremen und Lübeck und deutschen Rittern in Jerusalem gegründet. Sie wählten zur Kennzeichnung ihres Ordens genau die umgekehrten Farben der Johanniter: weißer Mantel und schwarzes Kreuz.

Anfänglich übernahmen die Ritter des Deutschen Ordens nicht nur die Ordensregeln der Johanniter, sondern kümmerten sich auch wie diese besonders um Kranke und Verwundete. Aber bald schon waren auch sie nur noch militärisch tätig.

Im Abendland wurde währenddessen ein neuer tiefgreifender Erlaß bezüglich der Hospitäler verkündet. Seit 1179 forderte nämlich ein Laterankonzil wegen der Gefahr der Ansteckung die Absonderung der Schwerkranken von den übrigen Patienten. So entwickelten sich neben den allgemeinen Spitälern die Sondersiechenspitäler und die Lepra-Hospitäler, die außerhalb der Stadt errichtet werden mußten. Im Spätmittelalter gesellte sich diesen zwei Spitalarten noch das Elendspital oder die Elendherberge zu, in der erkrankte und hilfsbedürftige Fremde Aufnahme fanden.

1198 wurde in Montpellier der Spitalorden vom Heiligen Geist gegründet, der sich vor allem in Frankreich, Italien und Süddeutschland ausbreitete. Dieser Orden widmete sich wie der kurz vor ihm gegründete Hospitalorden vom Heiligen Antonius der Krankenpflege.

Im Spätmittelalter trennte sich das Spitalwesen schließlich von seiner bisherigen Bindung an Klöster und Domstifte und geriet unter die Kontrolle der städtischen Räte. Unter deren Regie entwickelten sich die bisherigen "Krankenhäuser" immer mehr zu "Alterspflegeheimen". So konnten sich alte Bürger und Bürgerinnen als Pfründner in ein Hospital "einkaufen". Die reichen und gerngesehenen Pfründner erhielten spezielle Unterkünfte, die z.T. zusätzlich mit Stube, Küche und Keller ausgestattet waren. Sie brachten auch ihr eigenes Dienstpersonal mit, das für sie zu putzen, zu waschen und zu kochen hatte. Das Pflegepersonal des Hospitals mußte sich kaum um sie kümmern. Starben diese reichen Pfründner, erbte das Hospital ihr gesamtes Vermögen.

Den armen Pfründnern wurde nur eine Bettstatt zur Verfügung gestellt. Sie hatten ihre eigene Bettwäsche mitzubringen. Ihr spärlicher Besitz wurde nach ihrem Tode jedoch ebenfalls vom Hospital beansprucht.

Im Gegensatz zu den reichen Pfründnern waren die armen, falls sie körperlich dazu noch in der Lage waren, außerdem zur Mithilfe verpflichtet. So mußten sie z.B. das Vieh versorgen, Kranke betreuen, Küchendienste verrichten, im Garten arbeiten oder spinnen. Und nicht jeder arme Alte fand im Hospital eine kostenlose Aufnahme. Die führenden Persönlichkeiten des Hospitals betrieben nach moralischen und kirchlichen Gesichtspunkten Auslese.

Das Personal des Hospitals bestand aus dem Spitalpfleger, dem Spitalmeister und der Spitalmeisterin, einigen Schwestern und Hilfskräften. Der Spitalpfleger verwaltete das Spitalvermögen und führte als Vertreter des städtischen Rates die Oberaufsicht über das Hospital. Ihm unterstanden der Spitalmeister und die Spitalmeisterin, die für die Verwaltungs- und für die Pflegedienste zuständig waren. Die Schwestern, die bei ihrem Eintritt ein Gelübde der Armut, des Gehorsams, der Keuschheit und des Dienstes am Kranken ablegen mußten, verfügten über keine medizinische Ausbildung. Ärzte erschienen im Hospital zudem nur, wenn sie ausdrücklich gerufen wurden. Außerdem waren noch mehrere Geistliche für das Hospital zuständig. Sie hatten die täglichen Messen zu lesen und an den Sonn- und Festtagen Gottesdienste für die Kranken zu halten. Auch die sieben Gebetszeiten wurden von ihnen wie in einem Kloster bei Tag und bei Nacht mit feierlichem Gesang verrichtet.

Die Hospitäler wurden von der Stadtbevölkerung durch freiwillige Spenden z.B. Nahrungsstiftungen finanziert und auch in vielen Testamenten der Bürger und Bürgerinnen reichlichst bedacht. In vielen spätmittelalterlichen Städten gehörten ihnen mehrere übereignete Ländereien, Weinberge und Nutzungsrechte, und sie fungierten, da sie häufig über die größten liquiden Geldbeträge in der Stadt verfügten, oft auch als Bank.